Kunsthandwerk

Empire Prunk-Teekanne, Silber, Deckenluster, Girandolen, Silberleuchter, Heisswassergefäss, Kanonemodell, Marmorbüste, Églomisé, Biedermeierglas, Wandappliken, Pistolen, Porzellan, Pistolen, Glas, Hirschfänger, Wigand-Kassetten, Perlmuttobjekte, Spiegel, Vasen


Krautauer Silber TafelaufsatzSilber Tafelaufsatz von Jakob Krautauer, Wien um 1830Silber Tafelaufsatz von Jakob Krautauer, Wien um 1830Silber Tafelaufsatz von Jakob Krautauer, Wien um 1830

EMPIRE TAFELAUFSATZ
Jakob Krautauer (1772 - 1845), Wien 1817
Wiener Radpunze 1817, Namenspunze „Krautauer“, 13-lötiges Silber, ca. 8.800 g
Höhe: 50,5 cm, Durchmesser (am Fuß): 34 cm
Gewölbter Rundfuß mit vegetabilem Ornamentband, darüber mehrfach getreppter Flachzylinder-Sockel auf dessen glatter Wandung sind umlaufend sechs halbreliefierte Lorbeerkränze appliziert, darüber weiterer Sockel auf dem abwechselnd stilisierte, vollplastische, geflügelte Löwen und halbreliefierte Gorgonenhäupter appliziert sind, Schaft in Form von den drei vollplastischen Grazien in faltenreichen bodenlangen Chitons, die eine durchbrochene Fußschale stützen.

Jakob Krautauer (1772 -1845): 1795 Meister, 1801 – 1845 in den Innungslisten geführt, 1836-1844 teilweise Nichtbetrieb. „Seine Steuerleistungen ab 1796 sind in beträchtlicher Höhe nachweisbar, was auf einen bedeutenden Betrieb schließen läßt.“(1) Krautauer stellt auf der ersten (1835) und zweiten Gewerbeausstellung in Wien 1839 aus, 1839 erhielt er eine Medaille: „Jacob Krautauer, gewesener bürgerl. Silberarbeiter zu Wien, Stadt Nr. 565 [heute Graben 21, das Haus steht nicht mehr, heute Erste Bank], übergab zur Ausstellung einen Tafelaufsatz und ein Desert-Teller, beide von 15löthigen Silber, ersterer 44 Mark 6 Loth, […] welche als eine vollendete, kunstgemäße Arbeit besondere Aufmerksamkeit erregten und zugleich bedauern ließen, daß der Herr Aussteller im noch thatkräftigen Alter sich vom Geschäfte zurückgezogen hat, in dem er, bloß nach den ausgestellten Arbeiten zu schließen, noch manche, der österreichischen Industrie zur Ehre gereichende, Erzeugnisse geliefert hätte. Da die Auszeichnung des Herrn Krautauer durch Verleihung einer Medaille mit dem wesentlichsten Zwecke derselben: Aufmunterung der industriellen Thätigkeit, sich nicht vereinigen ließe, so mag er jene Erklärung als eine verdiente Anerkennung seiner früheren erfolgreichen Thätigkeit hinnehmen.“(2)

Vgl. Henkelkorb von Krautauer im Kunstgwerbemuseum Budapest (IM 52.983), Abb. in: Waltraud Neuwirth: Wiener Silber. Namens- und Firmenpunzen 1781-1866, Wien 2002, S. 70-71.

Tafelaufsätze gibt es ab der frühen Neuzeit und gelten als französische Erfindung der 1660er Jahre die sich schnell verbreitete.(3) Es handelt sich dabei um Einzelstücke bis zu einem umfangreichen Ensemble mit qualitätsvollen und aufwendigen Objekten, meist aus Silber, oft vergoldet oder mit Emailarbeiten verziert. Auch seltene Materialen wie Elfenbein, Nautilusgehäuse etc. wurden verarbeitet. Beliebte Motive waren Schiffe, Brunnen, Festungen oder Tiere. Tafelaufsätze aus Bronze und Porzellan kamen im 18. und 19. Jahrhundert hinzu. Der Tafelaufsatz wurde mit Blumen oder Obst bestückt.

Kunstgewerbearbeiten aus Wien zwischen 1815 und 1848 zeichnen sich durch besondere Qualität aus, vor allem Silber- und Goldschmiedearbeiten. Obwohl sich der Tafelaufsatz von Krautauer formal an die Erzeugnisse der berühmten Pariser Werkstätte von Pierre-Philippe Thomire (1751-1843) orientiert, sei die Entwurfszeichnung von Ulrich Danhauser (1780-1829), die mit "Tafelaufsatz No 2" bezeichnet ist, zeitlich in diese Periode fällt und in ihrer Ähnlichkeit unwesentlich abweicht, nicht unerwähnt. Sie befindet sich im Museum für angewandte Kunst in Wien (Inv. Nr. KI 8971-2297). Ein weiteres vergleichbares Stück aus der Zeit um 1790, allerdings aus Porzellan, befindet sich ebenfalls im MAK (Inv. Nr. KE569) und zeigt auch drei weibliche Figuren auf einem runden Sockel die einen durchbrochenen Korb tragen. Ein weiteres vergleichbares Stück, allerdings von dem norwegischem Silberschmied Axel Hedlund, wurde 1817 in St. Petersburg gefertigt und befindet sich im Moscow Kremlin Museum.

Vergleichsstücke die Thomire zugeschrieben wurden: Zwei Tafelaufsätze aus vergoldeter Bronze bei denen auf einem runden abgetreppten Sockel, die ebenfalls mit Reliefs dekoriert sind, drei Mädchen in antikisierenden Kleidern einen durchbrochenen Korb halten wurden am 23.1.2014 bei Sotheby‘s London, und bei Christie’s London am 22-23.4.2013 verkauft.

Laut Ottomeyer geht der Typus zurück auf zwei Toiletttischleuchter aus Silber, „welche die Stadt Paris 1810 der neuvermählten Kaiserin Maire-Louise geschenkt hatte […]. Den Entwurf dieser Silberleuchter hatte [Pierre Paul] Prud‘hon [1758-1823] gezeichnet, die Formen hatte Roguier modelliert, Guß und Montage der französische Silberschmied [Jean-Baptiste-Claude] Odiot [1763–1850] übernommen und die Ziselierung besorgte Thomire, der offensichtlich mit den Formen später für Bronzegüsse weiterarbeitete.“(4)

Literatur:
1: Waltraud Neuwirth: Wiener Silber. Namens- und Firmenpunzen 1781-1866, Wien 2002, S. 207.
2: Bericht über die zweite allgemeine österreichische Gewerbs-Producten-Ausstellung im Jahre 1839, Wien 1840, S. 127.
3: Hugh Honour und John Fleming: „Lexikon Antiquitäten und Kunsthandwerk“, München 1984. München: C.H. Beck u. Prestel. Digitale Ausgabe: Directmedia Publishing GmbH (2002), S. 602.
4: Hans Ottomeyer/Peter Pröschel: Vergoldete Bronzen. Die Bronzearbeiten des Spätbarock und Klassizismus, München 1986, Bd. I, S. 383, Kat.nr. 5.16.3